Behandlung
Brustkrebs ist heute nicht mehr gleich Brustkrebs. Bekamen früher alle Frauen die gleiche Therapie versucht man heute so individuell wie möglich vorzugehen. Entscheidend für die Wahl der Therapie sind neben der Tumorgröße, der Befall der Lymphknoten, das Vorhandensein von Hormon- und Wachstumsfaktorenrezeptoren auf der Tumoroberfläche und der Differenzierungs- sowie der Proliferierungsgrad der Tumorzellen.
Anhand dieser unterschiedlichen Kriterien wählt der Arzt die optimalen Therapieoptionen und deren Sequenzen aus.
Folgende Therapieoptionen stehen zur Verfügung:

Operation
So wenig wie möglich, so viel wie nötig! Die Operationsplanung soll immer individuelle bedürfnisgerecht nach ausführlicher Beratung über verschiedene Alternativen erfolgen.
In den meisten Fällen kann bei der Operation die Brust erhalten werden. Die Brusterhaltung ist oft nicht möglich, wenn mehrere Herde in der Brust sind oder wenn der Tumor im Vergleich zur Brust sehr groß ist. Auch bei Auftreten eines Rezidivs oder vorbestrahlter Brust kann eine Brusterhaltung nicht möglich sein.
In der Regel ist dann aber der Wiederaufbau der Brust möglich, entweder sofort oder auch später, mit körpereigenem Gewebe oder mit Prothesen.
Sollte sich in der Tastuntersuchung und in der Sonografie kein Verdacht auf Lymphknotenmetastasen der Achselhöhle ergeben, wird man zunächst nur den „Wächterlymphknoten“ (das ist der erste Lymphknoten in der Achselhöhle, über den die Lymphe aus der Brust abgeleitet wird) entfernen. Nur wenn sich in der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) ein Tumorbefall zeigen sollte, würden weitere Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt.

Bestrahlung
Eine Bestrahlung ist immer nach brusterhaltender Operation erforderlich. Bei großen Tumoren oder mehreren befallenen Lymphknoten ist die Bestrahlung auch nach Entfernung der Brust erforderlich um das Risiko für ein Lokalrezidiv zu senken. Die Bestrahlung dauert fünf bis sechs Wochen – jeden Tag erfolgt eine Bestrahlung für ein bis zwei Minuten.

Medikamentöse Behandlung
Der Sinn und Zweck einer medikamentösen Behandlung besteht darin, auch Tumorzellen zu erreichen, die sich eventuell schon aus der Brust heraus im Körper verteilt haben. Die Entscheidung über die notwendige Behandlung beruht auf der individuellen Risikoeinschätzung. Faktoren, die diese beeinflussen sind z. B. Tumoreigenschaften, Tumorgröße, Lymphknotenbefall, Alter, Menopausenstatus (Wechseljahre?). Die Therapiemöglichkeiten sind abhängig von der Hormonempfindlichkeit des Tumors (Rezeptorbestimmung), der Empfindlichkeit für eine Immuntherapie und dem Allgemeinzustand der Patientin.
Eine Hormontherapie ist möglich, wenn der Tumor durch Hormone gesteuert wird, d. h. es sind Hormonrezeptoren auf der Zelloberfläche vorhanden, über die das Zellwachstum gesteuert wird. Die Hormontherapie blockiert die Stimulation der Hormonrezeptoren und verhindert so das Zellwachstum. Die Therapie erfolgt in Tablettenform oder mit Spritzen.
Häufig eingesetzt wird Antiöstrogen Tamoxifen. Es besetzt die Hormonrezeptoren, wodurch die Bindung von Östrogenen an der Zelle und deren Einfluss auf die Zellvermehrung verhindert wird. Tamoxifen wird gleichermaßen bei Frauen vor und nach den Wechseljahren eingesetzt.
Eine weitere Option der Hormontherapie von Frauen nach den Wechseljahren sind die Aromatasehemmer. Sie verhindern die Östrogenbildung außerhalb der Eierstöcke. Vor den Wechseljahren kann die Hormonproduktion in den Eierstöcken durch GnRH – Analoge (monatliche Spritzen) oder durch die Entfernung der Eierstöcke verhindert werden.
Beim Fehlen von Hormonrezeptoren auf den Tumorzellen, oder einem erhöhten Risiko wie befallenen Lymphknoten oder einem geringen Differenzierungsgrad kann eine Chemotherapie nötig sein. Diese Medikamente verhindern das Wachstum der Krebszellen und führen zum Absterben der Zellen. Sie werden meist über die Venen als Infusion gegeben. Die Behandlungsdauer beträgt vier bis sechs Monate. Sie wird in regelmäßigen Abständen, sogenannten Zyklen verabreicht. Eine Chemotherapie kann vor („neoadjuvant“) oder nach („adjuvant“) einer Operation durchgeführt werden.
Die Immuntherapie nutzt spezielle Abwehrstoffe des Immunsystems, um Krebszellen zu zerstören. Sie ist anwendbar, wenn bestimmte Wachstums-Rezeptoren (Her2-neu Rezeptoren) an den Tumorzellen vorhanden sind. Eine weitere Möglichkeit bieten Substanzen, die die Bildung neuer Blutgefäße zum Tumor verhindern.
Bisphosphonate vermindern den Knochenabbau und werden bei Osteoporose und Knochenmetastasen eingesetzt. Unabhängig davon haben sie häufig bei postmenopausalen Patientinnen einen positiven Effekt auf das Rezidivrisiko.